:: der freie und offene hochschulzugang
Einer der Grundlagen, auf denen die Arbeit des VSStÖ aufbaut, ist der freie und offene Hochschulzugang. Warum wir uns dafür einsetzen? Weil es unsere Überzeugung ist, dass die Universität für alle da sein muss.
Das auch wenn es angesichts der oft miserablen finanziellen Ausstattung der Universitäten oft dazu kommt, dass die Studienbedingungen nur schwer auszuhalten sind und es angesichts der vielen, auf engem Raum zusammen gequetschten Studierenden so wirken mag, als ob es zu viele Studierende gäbe. Die richtige Ableitung aus dieser Situation ist aber, die Universitätsfinanzierung auszuweiten damit wieder Platz für alle zu schaffen.
Es gibt keine fairen Zugangsbeschränkungen
Unsere Erfahrungen mit Zugangsbeschränkungen haben etwa gezeigt, dass diese massiv sozial selektiv wirken und Frauen und Studierende mit Migrationhintergrund benachteiligen. Prominentestes Beispiel hierfür ist der EMS-Test der Medizinischen Universitäten Wien und Innsbruck, an denen die Benachteiligung von Frauen besonders eklatant zu sehen war. Aber auch in den anderen zugangsbeschränkten Fächern konnte der vom Wissenschaftsministerium erstellte Evaluationsbericht der Zugangsbeschränkungen nachweisen, dass es in den meisten Studienrichtungen zu einem Absinken der Frauenquote gekommen ist.
Vieles erreicht...
Der VSStÖ hat immer, sowohl als Fraktion, als auch in allen ÖH-Strukturen in denen er vertreten ist, für die Abschaffung der Zugangsbeschränkungen und der Studiengebühren gekämpft. Wir sind dafür auf die Straße gegangen und haben protestiert, haben verhandelt und gefordert und somit dafür gesorgt, dass diese Themen nicht aus den Köpfen der PolitikerInnen verschwinden konnten. Wir haben auch nicht aufgegeben, als jene Stimmen immer lauter wurden, die den Einsatz für den freien und offnen Hochschulzugang als verlorene Liebesmüh abstempeln wollten. Insofern ist es auch ein großer Erfolg für uns, dass im Sommer 2008 die Studiengebühren für sehr viele Studierende abgeschafft und auch wichtige Schritte zu Beseitigung der Zugangsbeschränkungen gesetzt wurden.
Für uns setzt sich aber der offene und freie Hochschulzugang aus mehren Komponenten zusammen. Alleine die rechtliche Möglichkeit zu haben, sich an einer Universität einzuschreiben bedeutet noch lange nicht, dass alle die gleichen Chancen haben und nach ihren Bedürfnissen gefördert werden.
...aber immer noch viel zu tun
Neben der kompletten Abschaffung der Studiengebühren und der Beseitigung der formellen Zugangsbeschränkungen muss noch eine Reihe weiterer Rahmenbedingungen geschaffen werden, ansonsten bleiben Studierende aus bildungsfernen Schichten, finanzschwache Studierende, Studierende mit Migrationshintergrund und Frauen weiter benachteiligt.
Gerade soziale Selektion findet häufig auch abseits formaler Beschränkungen statt. Klar ist bei diesem Thema, dass für einen gänzlichen Abbaus dieses Faktors gerade die Schulbildung hinsichtlich der Gesamtschule reformiert werden muss, da derzeit die zentrale Bildungsentscheidung schon im Alter von 10 Jahren am Scheideweg Hauptschule/AHS anhand der sozialen Herkunft getroffen wird. Dennoch wird dieser Prozess an den Universitäten weitergeführt. Wer aus einer bildungsfernen Schicht kommt, dem oder der wird gerade am Anfange des Studiums der universitäre Habitus mehr als fremd sein. Hier sind Studieneingangsphasen gefragt, die den Studierenden die Universitäten näher bringen und sie in die Arbeitsweisen einführen. Stattdessen werden die ersten beiden Semester besonders gerne als Knock-Out Phasen verwendet, um möglicht viele wieder abzuschrecken – hinsichtlich der sozialen Selektivität genau der falsche Weg.
Und auch im weiteren Verlauf des Studiums setzt sich die soziale Selektion fort: Wer neben dem Studium mehr als 10 Stunden in der Woche arbeiten gehen muss, um sich Miete, Bücher und Lebensmittel leisten zu können, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit massive Studienverzögerungen, was zu Beihilfenverlust und damit oft zu Drop-Outs führt. Was sehr oft als persönliches Scheitern wahrgenommen wird, ist in Wirklichkeit ein strutkurelles Problem mangelnder sozialer Absicherung, verschärft durch die restriktiven Toleranzregeln für Studien- und Familienbeihilfe in den neuen Bachelorstudien.
Unter anderen deswegen fordert der VSStÖ die Einführung eines Grundstipendiums, das alle Studierende innerhalb der durchschnittlichen Studienzeit unabhängig vom Einkommen der Eltern absichert.
