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:: infoblatt zum diesjährigen equal pay day

Sonntag, 27. September 2009, 9 Uhr morgens: wenn du eine Frau und in Österreich erwerbstätig bist, dann kannst du den kommenden Arbeitswochen bis Jahresende wohl nur mit Frust entgegensehen, denn ab Montag arbeitest du gratis! Du hast richtig gelesen. Denn aufgrund der Tatsache, dass Frauen in Österreich durchschnittlich 26,2% weniger verdienen als Männer – im selben Job und bei gleicher Qualifikation!!! – arbeiten sie in diesem Land in etwa 3 Monate umsonst.

 

*Equal Pay Day – was ist das denn?

Der Equal Pay Day ist der Tag im Jahr, bis zu dem Frauen und Männer gleich viel Geld für ihre Arbeit ausbezahlt bekommen. Danach – bis Jahresende – arbeiten Frauen im Gegensatz zu Männern – gratis. Dieses Jahr fällt der EPD auf den 27. September 2009. Die Berechnung erfolgt mittels Heranziehung der durchschnittlichen Bruttoeinkommen vollbeschäftigter ArbeitnehmerInnen des Jahres 2008. Je nach Bundesland variieren die Festsetzungen des EPD, je nach dem, wo die Lohnschere größer ist (in Österreich ist Vorarlberg Spitzenreiter der Ungerechtigkeit), ist der EPD infolge dessen auch früher angesetzt.

 

*Alltagsweisheiten und wie sie an der Realität vorbeigehen

Argument: Klar, dass Frauen weniger verdienen als Männer, die haben ja auch niedrigere Jobs.

Realität: Tatsächlich bekommen Frauen in Österreich auch dann weniger bezahlt, wenn sie denselben Beruf ausüben wie Männer. Auch mit akademischem Abschluss ist frau in Österreich nicht davor gefeit, weniger zu verdienen als männliche Kollegen.

Argument: Ja aber, Frauen bekommen doch Kinder, deswegen müssen sie weniger verdienen, weil sie zu Hause bleiben!

Realität: Unabhängig davon, ob frau jemals Kinder bekommt oder nicht, wird sie in Österreich ein niedrigeres Einkommen haben als ein Mann. Des weiteren: auch Männer sind Eltern – wieso sollten sie nicht auch in Karenz gehen? Und selbst, wenn sie es tun – sie bekommen weiterhin mehr bezahlt als ihre Kolleginnen.

 

*Die Gretchenfrage: Warum verdienen Frauen denn nun weniger?

Antwort: Aufgrund der nach wie vor gesellschaftlich akzeptierten Diskriminierung von Frauen im Bildungssystem,  im Beruf und im Alltag abseits davon!

-) Bildungshürden: Durch die Zuschreibungen von Fähigkeiten, Eigenschaften und Zukunftsperspektiven, die meist kaum etwas mit dem betroffenen Mädchen oder der betroffenen Frau zu tun haben, sondern lediglich auf Klischeevorstellungen und Vorurteilen basieren, werden Mädchen beispielsweise in als „männliche Prestigefächer“ gedachten Schulgegenständen zu wenig gefördert, was auch die spätere Berufs- oder Studienwahl einschränkt. Auch bei mündlichen Prüfungen – sei es im sekundären oder tertiären Bildungssektor – sehen sich Mädchen und Frauen mit Vorurteilen seitens der Lehrenden konfrontiert, die zu schlechteren Benotungen.

-) segregierte Lehrplätze: Die eben erwähnten Rollenzwänge und Zuschreibungen beeinflussen auch die Wahl von Lehrberufen – wie ließe sich sonst erklären, dass 2/3 der weiblichen Lehrlinge lediglich 3 von etwa 250 Lehrberufen in Österreich ergreifen, noch dazu jene, die am schlechtesten bezahlt sind? Und selbst wenn sich eine 15-Jährige dazu entschließen mag, Kfz-Mechanikerin oder Schlosserin zu werden, sieht sie sich oft mit der Absage des Meisters (sic!) konfrontiert, der sie mit der Haltung „Wir nehmen keine Mädchen!“ abblitzen lässt.

-) Teilzeitarbeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse: nach wie vor gilt in unserer Gegenwartsgesellschaft: „Kindererziehung und Pflege ist Frauenarbeit!“ – Arbeit also, die 1.) unbezahlt ist, 2.) nicht angesehen und belächelt wird und 3.) von der Erwerbsarbeit abhält, für die frau eine mehrjährige Ausbildung gemacht hat, um sich mit dem zu beschäftigen, was sie wirklich möchte und durch die sie finanziell eigenständig wäre. Durch den Erwartungszwang, zu Hause bleiben zu müssen (es gilt ja als verantwortungslos, als Frau einen Vollzeitjob zu haben, wenn es ein Kind zu Hause gibt) und den Mangel an Betreuungsplätzen – vor allem für Kinder unter 3 Jahren – müssen Frauen sich mit weniger Stunden Erwerbsarbeit in der Woche begnügen, was zu deutlich weniger Gehalt führt.

-) schlechtere Karrierechancen –„Gläserne Decke“: Männerseilschaften (oder auch elitäre Männerbünde, die sich während der Studienzeit gebildet haben und sich durch die Verweigerung, auch Frauen aufzunehmen, auszeichnen) und Vorurteile gegenüber Frauen und ihren angeblichen (Un-)Fähigkeiten sowie die bereits genannten Beschäftigungsverhältnisse führen dazu, dass Frauen, wenn es um Beförderungen, Zuweisungen von Prestigeprojekten oder Gehaltserhöhungen geht, durch den Rost fallen.

Noch immer nicht überzeugt? Hier ein Beispiel aus dem Jahr 2005 (bezieht sich auf das durchschnittliche Jahreseinkommen):

 

Frauen

Männer

Hilfs- oder angelernte Tätigkeit

10.032

 

15.680

FacharbeiterIn/MeisterIn

 

16.216

29.856

Mittlere Tätigkeit

 

18.293

30.872

Höhere Tätigkeit

 

26.551

44.310

Hochqualifizierte Tätigkeit

 

31.481

48.916

Führende Tätigkeit

 

29.383

58.534

Alles zusammen

17.875

35.712

Bericht des Rechnungshofes gemäß Art. 1 § 8 Bezügebegrenzungsgesetz BGBl. I Nr. 64/1997 (2006)

 

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