:: frauen und der berufsalltag
Frauen werden am Arbeitsplatz benachteiligt. Mit dieser Tatsache titeln mittlerweile sogar konservative Zeitungen. Welche Mechanismen stehen dahinter und wie ist die Situation am Arbeitsmarkt denn nun?
Trotz Klagen über Arbeitslosigkeit ist die Zahl der unselbstständig erwerbstätigen Frauen in den letzten zehn Jahren gestiegen, die Art der Erwerbstätigkeit lässt allerdings zu wünschen übrig. Der Frauenbericht der Arbeiterkammer (sic) 2006 sieht in der Qualität der von Frauen besetzen Arbeitsplätze ein zunehmendes Problem: „Teilzeitarbeit und die Dominanz von Tätigkeiten im Niedriglohnsektor haben zu einem Anstieg von Arbeitsplätzen mit einem nicht existenzsichernden Einkommen geführt.“
Das bedeutet, dass Frauen zwar im Durchschnitt mehr arbeiten, aber weniger Geld dafür bekommen, beziehungsweise ihre Anstellungen kurzzeitiger/kurzfristiger sind. Ebenso sind im Sektor der geringfügig Beschäftigten (maximaler Verdienst: 349,01 Euro bei zehn Stunden Arbeit pro Woche) in Österreich hauptsächlich Frauen tätig.
Kleine Schere – große Schere – welche Schere?
Die Lohn- und Gehaltsentwicklung in den letzten zehn Jahren zeigt die Benachteiligung von Frauen am Offensichtlichsten. In allen Wirtschaftsklassen lässt sich allgemein ablesen, dass die Stundenlöhne für Teilzeitbeschäftigung geringer sind als die für Vollzeitbeschäftigung, die Konsequenz für teilzeitbeschäftigte Frauen liegt auf der Hand. Der Begriff Einkommensschere ist ein mittlerweile wissenschaftlich anerkannter Begriff für die Diskrepanz zwischen Löhnen von Männern und Frauen. Frauen verdienen im Durchschnitt um bis zu 30 Prozent weniger für die gleichen Tätigkeiten. Die Gründe hierfür können von der Möglichkeit einer Schwangerschaft der Frau bis zur allgemeinen Geringschätzung weiblicher Arbeit reichen. Klar ist allerdings auch, dass diese Gründe nicht offen behandelt werden, sondern dieses „Abkommen“ stillschweigend gesellschaftlich akzeptiert wird.
Bezahlte und unbezahlte Arbeit
In einer Gesellschaft ist es notwendig, Betreuungs- und Versorgungsarbeit zu leisten. Das steht außer Frage. Doch diese Arbeit ist es, die der momentanen Organisation von Erwerbsarbeit in vielen Punkten entgegensteht. Erwerbsarbeit dient der eigenen Existenzsicherung, Betreuungsarbeit gibt anderen Menschen die Möglichkeit, frei und sicher zu (über)leben. Betreuungsarbeit wird entweder unbezahlt von Frauen geleistet, die ältere Verwandte pflegen, Kinder beaufsichtigen und Hausarbeit im klassischen Sinne machen oder von (meist migrantischen) Frauen, die miserabel bezahlt in verschiedenen Haushalten als Aushilfe arbeiten. „Die zeitliche Bindung von Frauen durch unbezahlte Arbeit bedeutet weniger Zeitressourcen für bezahlte Arbeit, weniger Zeit für Bildung.“ (AK Frauenbericht) Alleine die Tatsache, dass Frauen nicht die gleichen Zeitressourcen zur Verfügung haben wie Männer, macht eine Gleichstellung am Arbeitsmarkt, gerechte Einkommensverteilung und damit ökonomische Gleichstellung kaum bis gar nicht möglich.
Im Jahr 1992 wurde in Deutschland auf Basis einer Zeitbudgeterhebung1 ermittelt, welches Ausmaß die Wertschöpfung unbezahlter Arbeit ausmacht: Nach Bewertung der Arbeitsstunde ergab sich, dass das Bruttoinlandsprodukt um 50 bis 140 Prozent höher wäre, würde unbezahlte Arbeit mitgerechnet werden.
Armut ist weiblich?
Geringerer Lohn für gleiche Arbeit, prekäre Arbeitsverhältnisse, unbezahlte Haus- und Versorgungsarbeit sind Gründe warum Armut vor allem Frauen trifft. 1995 waren 500.000 Frauen in Österreich armuts- bzw. akut armutsgefährdet oder wie Angelika Schmidt und Karin Heitzmann treffend beschreiben: „Es gibt mehr arme Frauen als Männer, zudem sind Frauen öfter und dauerhafter einkommensarm als die Bevölkerung im Durchschnitt.“2
(1) Merz, Joachim and Burgert, Derik (2005): Arbeitszeitarrangements - Neue Ergebnisse aus der nationalen Zeitbudgeterhebung 2001/02 im Zeitvergleich zu 1991/92.
(2) Karin Heitzmann, Angelika Schmidt: Wege aus der Frauenarmut, Frankfurt, 2004
