Momentum 09 - Freiheit
Mein Praktikum - und wo sammelst du Berufserfahrung?

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:: der superpraktikant?!

In Richard Morgans Science Fiction Roman "Profit" müssen TopmanagerInnen um in hoch bezahlte Spitzenpositionen kommen zu können in Todesrennen gegeneinandern antreten. Wer als ersteR lebend ins Ziel kommt bekommt den Job, die anderen bleiben sprichwörtlich auf der Strecke.

Ganz so schlimm ist es zum Glück (noch) nicht, aber die von ÖVP-Finanzminister Josef Pröll gerade stark beworbene Medienkampagne zur Suche nach dem "Superpraktikanten" zeigt ein erschreckendes Unverständnis der ÖVP für die prekäre Situation von PraktikantInnen. Dass diese oft Arbeiten verrichten müssen, die mit dem Erwerb von Berufserfahrung nicht das Geringste zu tun zu haben, nur schlecht oder überhaupt nicht bezahlt werden und denen selbst elementarste Arbeitsrechte vorenthalten werden, scheint hier nicht zu scheren.

Anstatt an den unzähligen Missständen von prekär Beschäftigten, für die sich inzwischen schon die Bezeichnung "Generation Praktikum" eingebürgert hat, etwas zu verbessern wird der Kampf um einzelne Praktikumsplätze zu einem Medienspektakel gemacht. Wie eine moderne Variante der altrömischen GladiatorInnen-Kämpfe sollen sich alle Interessierte in mehreren Auswahlver- fahren gegeneinander durchsetzen um die eine, hochbegehrte Praktikumsstelle an der Seite von Josef Pröll zu ergattern. Damit wird einer rücksichtslosen Ellenbogengesellschaft Vorschub geleistet in der Werte wie Solidarität und Gemeinschaft keine Bedeutung mehr zugemessen wird.

:: lieber gleich berechtigt

Doch nicht nur aus dieser gesellschaftspolitischen Perspektive ist diese Aktion schon höchst fragwürdig. Auch von Seiten des Arbeitsrechts gibt es hier etliche Bedenken.

So fängt es schon damit an, dass von Seiten des Gleichbehandlungsgesetz Jobinserate so gestaltet sein müssen, dass sie beide Geschlechter ansprechen. Im Falle des Superpraktikums wäre dies die Formulierung "Superpraktikant/in" als Mindesterfordernis. Jedes Jobinserat in einer Zeitung muss diesem Gesetz entsprechen, doch bei der Medienaktion der ÖVP wurde darauf anscheinend einfach vergessen.

Eine interessante Parallele zu einem echtem Praktikum zeigt das Superpraktikum allerdings in der Frage der Bezahlung und der Beschreibung der im Rahmen des Praktikums zu erfüllenden Tätigkeiten.

So wird auf der Homepage im FAQ die Frage nach der Bezahlung beantwortet mit dem Satz: "Der Job als Österreichs Superpraktikant ist unbezahlbar" - mensch bekommt zwar für die mediale Zurschaustellung im Nachhinein als SiegerIn eine Woche Urlaub samt einem Preisgeld von 500 EUR, doch mit dem Argument das Praktikum an sich ist ja eigentlich unbezahlbar, versuchen bereits genug Firmen gratis Arbeitskräfte in Form von Praktika zu lukrieren. Es stellt sich die Frage wovon PraktikantInnen ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen, wenn diese, außer mehr Erfahrung im Kaffee kochen, nichts für ihr Praktikum bekommen.

Auch ist die Beschreibung der Tätigkeit mehr als dürftig, ein Problem dass auch von echten Praktika bereits bekannt ist. So heißt es beim Superpraktikum, die Tätigkeit besteht darin eine Woche lang Josef Pröll zu begleiten und darüber im Internet zu berichten. Wie auch bei normalen Praktika bleibt unklar worin das Praktikum eigentlich sich dreht und welche Erfahrungen mensch dabei angeblich erwerben kann.

:: sehr super

Dass die ÖVP als Regierungspartei anstatt gegen die Missstände von realen Praktika etwas zu unternehmen, daraus lieber eine Show für die Medien macht und einfach das Adjektiv "Super" voranhängt ist ernüchternd. Hier wird aus der prekären Beschäftigung von tausenden jungen Menschen eine Unterhaltungsaktion gemacht.

Der VSStÖ spricht sich entschieden gegen eine derartige Verharmlosung des ernsten Problems der Generation Praktikum aus und fordert von Vizekanzler Pröll echte Verbesserungen für PraktikantInnen in Angriff zu nehmen.

In der ÖH Bundesvertretung, der Studierendenvertretung aller Studierenden, setzen wir uns für echte soziale Absicherung von PraktikantInnen ein.

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung aus datenschutztechnischen Gründen: laut Homepage des Superpraktikums stimmen TeilnehmerInnen der "Verwendung und Weitergabe ihrer Daten an Teilorganisationen der ÖVP-Bundespartei (Veranstalter) ausdrücklich zu". Wer sich also schon für das Superpraktikum beworben hat, darf sich nicht wundern, dass demnächst vermehrt Werbung der ÖVP und ihrer Teilorganisationen ins Haus flattert.

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